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Was Sie für IP-Telefonie brauchen
In die VoIP-Welt führen nun viele Wege. Skype, FritzBox oder T-One sind die populärsten. Welcher der richtige für Sie ist, erfahren Sie jetzt.
VoIP zum Ausprobieren: PC und Headset für den Start
Sie wollen die neue Technik nur ausprobieren, ohne viel zu investieren.
Sie brauchen neben einem DSL-Anschluss Ihren PC und ein Headset.
VoIP auszuprobieren kostet nicht die Welt. Headsets gibt's schon ab 5 Euro (inklusive Kabel), komfortablere Bluetooth-Headsets kosten etwa 10 bis 20 Euro. Wer gute Sprachqualität haben will, muss 30 bis 50 Euro investieren, etwa für das Plantronics 510 USB (Preis ca. 50 Euro).
Software zum Telefonieren - so genannte Softphones - gibt es en masse. Suchmaschinen-Gigant Google etwa lädt mit „Google Talk" zum Quasseln ein. Allerdings nur von PC zu PC und nur mit Nutzern von solchen Voice-Messengern, die den Standard XMPP (Nachrichtenprotokoll für Instant Messenger) unterstützen - etwa Trillian oder Apples iChat. An der Implementierung des Standard-Protokolls SIP wird gearbeitet. Der Google-Talk ist grundsätzlich gratis.
Die populärste VoIP-Software ist natürlich Skype. Und mit dem proprietären Client telefonieren Sie zu allen Skype-Nutzern kostenlos - egal ob die im benachbarten Kleckersdorf sitzen oder in Kuala Lumpur. Geld kosten erst Festnetz oder Mobilfunk-Verbindungen. Die Preise fürs Festnetz sind moderat, für 1,85 Cent/ min telefonieren Sie in die USA und die meisten europäischen Länder. Mobilfunk-Verbindungen variieren von Land zu Land. Geld kostet Skype auch dann, wenn Sie angerufen werden wollen. Um eine Festnetznummer zu bekommen, müssen Sie die Option „Skypln" buchen - die kostet für drei Monate zehn Euro.
Andere Freeware-Softphones wie Nero Sipps, Asterisk oder X-Lite voipen anbieterunabhängig. Sie brauchen dafür einen Account bei einem VoIP-Provider, haben aber mehr Freiheiten. So erreichen Sie auch Nutzer anderer Softphones und anderer Netze. Das funktioniert, weil diese Tools für die VoIP-Verbindung das SIP-Protokoll einsetzen. Skype basiert auf einem eigenen Protokoll und versteht sich nur mit seinesgleichen. Im Klartext: Vom Skype-Client aus können Sie niemanden anrufen, der etwa Nero Sipps nutzt.
FAZIT: Softphones sind wenig alltagstauglich und nur für VoIP-Versuche empfehlenswert. Für ständige Erreichbarkeit muss der PC immer an sein, beim Telefonieren schränkt das Headset die Bewegungsfreiheit ein. In einer Studentenbude mag das okay sein, im Einfamilienhaus aber können Sie gleich ein Zimmer zur Telefonzelle umbauen. Und: Bei langen Gesprächen verpasst Ihnen selbst ein gutes Headset einen Satz heiße Ohren.
Adapter: Machen Sie Ihr Telefon fit für Voice over IP
Sie wollen Ihr Telefon unbedingt behalten, VoIP aber trotzdem nutzen.
Sie brauchen einen Analog-Telefon-Adapter und einmal kurz den PC.
Für Voice over IP brauchen Sie den PC nicht zwingend. Mit einem Analog-Telefon-Adapter (ATA) verbinden Sie Ihr Telefon mit dem DSL-Modem - und schon ist es fit für VoIP. Den PC brauchen Sie nur, um die Nutzerdaten im Adapter einzutragen. Manche VoIP-Provider versenden die Geräte bereits vorkonfiguriert, dann kann der PC ganz aus bleiben.
Die Adapter-Variante ist genau die richtige, wenn Sie in gewohntem Komfort telefonieren, das bereits vorhandene und nicht VoIP-fähige DSL-Modem, den Router und das Telefon aber weiter benutzen wollen. Viel Auswahl haben Sie bei den Geräten nicht: Das Standard-ATA ist derzeit das Grandstream HT 486 für ca. 50 Euro. Der Adapter hängt gleichzeitig an der DSL-und an der Telefonleitung. Das macht Sinn: Bei manchen Anbietern sind einige Rufnummern (die Auskunft, zum Teil Notrufdienste) via VoIP nicht erreichbar - gut, wenn man da aufs Festnetz zurückgreifen kann. Weiterer Vorteil: Die Verwandtschaft erreicht Sie unter Ihrer altbekannten Festnetzrufnummer. Nachteil des ATAs: Sie können nur ein Analog-Telefon daran anschließen. ISDN-Geräte versteht der Adapter nicht, Zweitapparat oder Fax bleiben also ohne VoIP-Anschluss. Dieses Problem löst die Auerswald Box, die ganze ISDN-Anlagen VoIP-fähig macht. Auch sie kostet etwa 50 Euro, wird als eigene Nebenstelle eingerichtet und leitet beim Wählen einer eigens definierten Vorwahl alle Gespräche über das Internet. Einschränkung: Immer nur ein Teilnehmer der ISDN-Anlage kann via VoIP telefonieren.
FAZIT: Der ATA ist ein Kompromiss. Sie richten damit auf Basis der vorhandenen Geräte eine alltagstaugliche VoIP-Anlage ein, die unabhängig vom PC ist. Die Investitionen halten sich in Grenzen. Der Nachteil: Ältere Router sind nicht hundertprozentig fit für Voice over IP. Sie behandeln den VoIP-Datenstrom mit der gleichen Priorität wie alle anderen Daten Die Folge: Bei viel Traffic verschlechtert sich die Sprachqualität bis hin zu Aussetzern und Verbindungsabbrüchen.
Komfortabelste Komplettlösung: DSL und VoIP mit der FritzBox
Sie wollen ein - leicht bedienbares - Gerät als Schaltzentrale für Internet und Telefon.
Sie brauchen die FritzBox. Sie ist DSL-Modem, Router und Telefonanlage in einem.
Die AVM FritzBox ist inzwischen unangefochtener Marktführer. Das aktuelle Modell FritzBox Fon WLAN 7170 kombiniert DSL-Modem, W-LAN-Router und Telefon-Adapter für drei Analog- und ein ISDN-Telefon in einem Gerät und strotzt vor Ausstattung. So lassen sich über die SO-Schnittstelle komplette bestehende ISDN-Telefonanlagen integrieren und nahezu beliebige Wahl-Routinen einrichten, die beispielsweise bestimmte Nummern (Notruf, Sondernummern) automatisch aufs Festnetz umleiten. Bedienung und Einrichtung sind dank aufgeräumter und von Fachchinesisch befreiter HTML-Oberfläche (die vom Browser aus mit der URL „Fritz.Box" aufgerufen wird) kinderleicht. Es gibt dieses Multitalent in verschiedenen Ausführungen - falls Sie beispielsweise gar kein W-LAN brauchen.
Die FritzBox Fon WLAN wird ab etwa 200 Euro angeboten, Sie können sie aber auch günstiger haben. Denn viele Internet Service Provider schenken Neukunden die FritzBox oder verlangen nur eine Zuzahlung. Es gibt natürlich auch von anderen Herstellern ähnliche Geräte, etwa das Siemens Gigaset SX553 WLAN dsl für knapp 200 Euro oder - das ist jetzt kein Witz - die „Horst-Box" von D-Link für 450 Euro. Die brauchen Sie aber nur für Profi-Anwendungen, etwa für ein komplettes Callcenter.
FAZIT: Die FritzBox Fon, egal in welcher Ausführung, ist die VoIP-Lösung für jedermann. Mehr Ausstattung gibt's für diesen Preis nicht, und dank der intuitiven Bedienung wird jeder schnell zum Telekommunikations-Experten.
Nischenlösung: Reine Voice-over-IP-Telefone für das Büro
Sie wollen Kosten sparen und ein Telefon mit möglichst vielen Komfort-Funktionen an ein bestehendes Netzwerk anschließen.
Sie brauchen ein IP-Telefon, wegen des genutzten Protokolls auch SIP-Telefon genannt.
IP-Telefone werden ohne zwischengeschaltete Adapter direkt ans LAN angeschlossen. Bei diesen Telefonen können Sie vollständig auf den PC verzichten - Sie brauchen ihn nicht mal zum Konfigurieren. Nutzernamen und Kennwörter geben Sie direkt über die Telefontastatur ein.
Der Markt für VoIP-Telefone ist übersichtlich, denn die Geräte sind eher fürs Büro interessant als für den privaten Gebrauch. Zu Hause lohnen sich allenfalls Einsteiger-Geräte wie das Grand Stream BudgeTone 101 (Preis: ca. 60 Euro). Teurere SIP-Telefone unterstützen etliche Komfort-Features wie lange Telefonbuch-Einträge oder Konferenzschaltungen mit vielen Teilnehmern. Das wird privat kaum gebraucht. Auch die in solche Geräte integrierten Sicherheits-Standards sind vor allem im Business-Umfeld wichtig - Verschlüsselungen etwa, die netzwerkinternes Belauschen von Gesprächen verhindern.
FAZIT: Als IP-basierte Tischtelefone für den Büroalltag haben die VoIP-Geräte ihre Daseinsberechtigung. Für den Privatgebrauch sind sie meist überdimensioniert.
VoIPen mit dem Handy: Per W-LAN günstig telefonieren
Sie wollen nur noch ein Gerät, das zu Hause Internet-Telefon und unterwegs Handy ist.
Sie brauchen eines der neuen Dual-Phones: T-One von der T-Com oder Arcors Twintel. Außerdem einen W-LAN-Router und viel Mut.
Seit ein paar Wochen wirbt die T-Com massiv für ihr T-One, „ein Festnetztelefon zum Mitnehmen". Das ist ein etwas schiefes Bild. Denn das T-One ist ein W-LAN-Handy, das sich zu Hause mit dem Router verbindet. So können Sie über den DSL-Anschluss telefonieren, sofern dieser von T-Online ist. Die T-Com bezeichnet hier also die DSL-Leitung als Festnetz. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch Arcors Twintel. Außerhalb des Hauses werden aus T-One und Twintel normale GSM-Handys. Es sei denn, Sie befinden sich in Reichweite von Hotspots. Dann erkennt T-One die öffentlichen W-LANs von T-Mobile und T-Com, wählt sich ein, und Sie können über diesen Hotspot voipen. Das rechnet sich aber nur, wenn Sie die Tarifvariante „Hotspot Call" (4,95 Euro/Monat) mitgebucht haben. Sonst zahlen Sie nämlich die Nutzung des Hotspots extra - mit 8 Cent pro Minute. Bei Arcors Twintel wird die Zusatzgebühr sogar immer fällig, es gibt schlicht und ergreifend noch keinen Tarif für die Hotspot-Nutzung. Damit machen VoIP-Gespräche an kommerziellen W-LANs keinen Sinn.
Verwirrend beim T-One: Die T-Com-Werbung suggeriert, Sie seien unter drei Rufnummern erreichbar: Neben der für DSL-Telefonie und der Mobilnummer auch über den obligatorischen Festnetzanschluss. Mit dem lässt sich das T-One aber gar nicht verbinden. Sie haben zwar die Möglichkeit, eine Rufumleitung zum T-One einzurichten, doch das sollten Sie besser lassen: Dafür kassiert die T-Com 12,9 Cent pro Minute. Behalten Sie also besser noch das alte Festnetz-Telefon.
Das größte Manko des T-One wird hoffentlich bald behoben: Momentan lassen sich Gespräche an öffentlichen Hotspots nicht verschlüsseln. Auch wenn die Bedrohung eher eine theoretische ist: Wer das technische Know-how hat, könnte über Hotspots geführte Gespräche abhören. Die T-Com bestätigte, dass an einer neuen T-One-Software gearbeitet wird, die die Verschlüsselung an Hotspots unterstützt.
FAZIT: Die Idee ist an sich gut. Doch sowohl das T-One als auch Arcors Twintel sind noch unausgereift. Warten Sie besser ein wenig, bis die T-Com die Software nachgebessert hat. Und bis Arcor einen Tarif anbietet, mit dem sich das Twintel auch am Hotspot nutzen lässt.
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